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Die Geschichte der Feuerwehr Linnich

Hier finden Sie einen kleinen Überblick über die Geschichte der Feuerwehr unserer Stadt geben. Leider ging im vergangenen Krieg der gesammte Schriftverkehr verloren. Schon im Jahre 1954 wurde durch einen Verwaltungsbeamten eine Chronik erstellt, die auf Aussagen noch lebender Feuerwehrleute basierte. Diese Überlieferung konnte durch zahlreiche Zeitungsberichte aus der Vorkriegszeit bedeutend erweitert werden, mußte allerdings auch teilweise korrigiert werden. Trotzdem kann die nun folgende Chronik nicht den Anspruch auf Lückenlosigkeit für sich geltend.


Heute erscheint es jedem Bürger als selbstverständlich, wenn bei einem Brand, einem Unfall oder einer anderen Notlage jederzeit durch die verschiedenen Organisationen Hilfe geleistet wird. Noch vor wenigen Generationen war dies nicht der Fall. Die Brandbekämpfung erfolgte viele Jahrhunderte auf die gleiche Weise: wassergefüllte Eimer aus Brunnen und Teichen gingen von Hand zu Hand zur Brandstelle und wurden dort in die Flammen gegossen. Bedingt durch die verwendeten Baumaterialien und die enge Bebauung in den Dörfern und Städten fielen immer wieder ganze Häuserreihen. Dörfer, ja ganze Stadtviertel den Flammen zum Opfer. So auch im Oktober 1794, bei der Belagerung der Stadt Linnich durch die Österreicher. Rathaus, Kloster, Kirchen und 116 bis 130 Häuser fielen dem folgenden Brand zum Opfer. Der gesamte westliche Teil der Stadt brannte 6 Tage lang. Durch eine Feuerordnung für den Regierungsbezirk Aachen vom 2. 9. 1833, versuchten die staatlichen Behörden den Brandschutz zu verbessern. Die neue Feuerordnung enthielt neben Maßnahmen zur Brandverhütung, genaue Vorschriften, wer ein Feuer zu löschen hatte und welche Geräte hierfür bereit zu halten waren. So mußte in jedem größeren Ort eine Feuerspritze vorhanden sein. Linnich besaß 1761 schon eine Feuerspritze

Der Aufruf zur Bildung einer freiwilligen Feuerwehr in Linnich erfolgte 1890. Aber erst am 7.2.1892 kam es nach langem Ringen gegen die bestehenden Brandkorps zur Gründung der städtischen Freiwilligen Feuerwehr Linnich. Die Führung der Wehr lag von Anfang an in den Händen des Oberbrandmeisters Albert Merkens. Die Unterbringung der Geräte, 3 Handdruckspritzen der Bürgerpflichtfeuerwehr, erfolgte im Untergeschoß des alten Rathauses, Ecke Mahr-Kirschstraße. Nachdem im Jahre 1894 das neue Gerätehaus an der Mädchenschule errichtet war, konnte der Gerätepark bis zum Jahre 1900 um 2 neue Spritzen, 2 Wasserkufen und 1 Schlauchkarren erweitert werden. In der Zeit zwischen 1898 und 1900 entstand an der Ostpromenade/ Ecke Treppchen zum Schwarzen Weg der erste Steigerturm, dreigeschoßig und in Fachwerk ausgeführt.


Wie aus den damaliegen Zeitungsberichten hervorgeht, bewährte sich die Feuerwehr offensichtlich bestens. Die Übungstermine wurden in der Tagespresse angekündigt und auch die Teilnahme an anderen Veranstaltungen angesagt. Über einen Brand am 24.9.1900 wird in einem Zeitungsbericht die Schnelligkeit der damaligen Wehr besonders erwähnt. Es waren bei einem Brand beim Fuhrunternehmer Josef Löhr bereits nach 15 Minuten mehrere Komandoführer und 28 Wehrleute mit den Löscharbeiten beschäftigt. Im Oktober 1900 wurden die Zöglinge des königlichen Lehrerseminars mit besonderer Genehmigung der vorgesetzten Behörde, in der Handhabung der Feuerlöschgeräte unterwiesen. Diese Ausbildung wurde fortgeführt und sollte jedem künftigen Lehrer ermöglichen in seinem späteren Wirkungskreis, selbständig eine Feuerwehr zu leiten oder aufzubauen.

Die Ausbildung der Zöglinge des Lehrerseminars zahlte sich erstmals 1904 bei einem Einsatz der Wehr aus. Damals unterstützten die Schüler die erschöpften Feuerwehrmänner bei einem sonntäglichen Großbrand in der Mühle Weitz. Nach dreistündiger strammer Arbeit gelang es, das Feuer auf seinen Herd (eine große Scheune) zu beschränken. Die Mühle selbst und die umliegenden Wohnhäuser konnten gerettet werden.

Am 7.8.1904 veranstaltete man in Linnich ein großes Feuerwehrfest, das mit dem Verbandstag des rheinischen Feuerwehrverbandes gekoppelt war.

Mit der Fertigstellung der Wasserleitung im Jahre 1905 wurde die Feuerwehr mit Hydrantenstandrohren ausgerüstet und mit der Handhabung der Hydranten vertraut gemacht. Am 26.5.1906 gründeten die Feuerwehren aus Alsdorf, Übach, Baesweiler, Herzogenrath, Geilenkirchen, Randerath und Linnich einen eigenen Bezirksfeuerwehrverband.

Am 1.1.1914 zählte die Feuerwehr Linnich 42 aktive Mitglieder, verfügte über drei Spritzen, einen Hydrantenwagen, einen Leiterwagen, zwei Wasserkufen und eine mechanische Leiter mit 17 Meter Steighöhe sowie einen Rettungsschlauch und über Rauchhauben.

Nach dem Kriegsausbruch am 6.8.1914 flossen die Berichterstattungen über die Tätigkeit der Feuerwehr sehr spärlich. Aus dem Kriege kehrten 10 aktive Mitglieder nicht zurück.

Über die Jahre 1918 bis 1928 ist uns heute leider fast nichts bekannt.

Beim Kreisfeuerwehrverbandsfest am 4. und 5.8.1928 wurde ein neuer Steigturm am Schlachthofplatz seiner Bestimmung übergeben. Am 4.1.1929 verstarb der Wehrleiter Oberbrandmeister Albert Merkens. Am 24.1.1929 wurde Oberbrandmeister Arthur Platz zum neuen Wehrführer gewählt.
Ein großer technischer Fortschritt bedeutete für unsere Feuerwehr die Anschaffung der ersten Motorpumpe im Jahre 1932. Es handelte sich um eine Tragkraftspritze TS6 mit 600 Liter Wasserleistung pro Minute.

 



Infolge einer Krankheit trat der Wehrführer Arthur Platz sein Amt im Jahre 1935 an Brandmeister Karl Weiler ab. Von 1936 bis zur Evakuierung der Stadt im Jahre 1944 führte Oberbrandmeister Christian Prinz die Feuerwehr.

1938 fand das letzte Feuerwehrverbandsfest in Linnich statt.

Der Zweite Weltkrieg riß abermals große Lücken in den Mannschaftsbestand.

 

Die erste Motorisierung erfuhr die Wehr 1943 durch ein Mercedes LS 1500 Löschfahrzeug mit Anhänger und Motorpumpe. Die Ausrüstung bestand 1943 aus einem LF8 mit TS8, einer Motorpumpe TS6, drei Handpumpen, einem Hydrantenwagen, einem Leiterwagen, einem Schlauchwagen und einer mechanischen Schiebleiter.

Nach dem Bombenangriff vom 8.10.1944 auf Linnich kam es am 10.10.1944 zur Evakuierung der Stadt. Nur noch Reste der Ausrüstung und ein völlig zerstörtes Gerätehaus fand die zurückkehrende Wehr nach Beendigung des Krieges vor.



Bereits im Juli 1945 fanden sich 14 Wehrleute ein, um mit Oberbrandmeister Jean Willms einen neuen Wehrleiter zu wählen. Im Juni 1946 war die Wehr mit 1 LF8 mit TSA und einer Tragkraftspritze 8/8 , die TS 6 , eine Handpumpe , sowie noch vorhandene Geräte wieder voll Einsatzfähig. In der Zeit zwischen 1946 und 1947 entstand das neue Feuerwehrgerätehaus zwischen der alten Mädchenschule und dem Grundstück Cremer an der Ostpromenade.

Die Ausrüstung wurde in den folgenden Jahren langsam aber stetig verbessert.
Im Jahre 1952 konnte die Feuerwehr eine mechanische Anhängerleiter mit einer Steighöhe von 17 Meter übernehmen. Das 60. jährige Bestehen wurde wegen dem Kreisfeuerwehrverbandstag um zwei Jahre verschoben. Am 30.7 und 1.8.1954 feierte man mit 800 Feuerwehrkameraden und 12 Löschfahrzeugen ein großes Fest.
Im Berichtsjahr 1956 zählte die Feuerwehr 33 aktive und 4 inaktive Mitglieder.
1957 konnte die Ausrüstung durch eine moderne Tragkraftspritze TS 8/8 mit VW-Industriemotor , einem kompletten Schaumlöschgerät und 2 Rauchmasken verbessert werden.
Am 28.1.1958 wurde ein neues Löschgruppenfahrzeug LF 8 vom Typ Opel Blitz der Feuerwehr übergeben. Der Wehrleiter Jean Willms trat nach langer Krankheit am 5.5.1959 in den Ruhestand. Zu seinem Nachfolger wählte man Oberbrandmeister Ernst Wiedorn.
Als Ergänzung der Ausrüstung ist im Jahre 1960 besonders die Anschaffung von 2 Pressluftatmern und einem zweiten Schaumlöschgerät zu erwähnen.

Der Wehrleiter Ernst Wiedorn bat 1961 aus beruflichen Gründen um die Entbindung aus seinem Amt. So entschied sich die Wehr, den bisherigen Stellvertreter Andreas Heck zum Wehrleiter vorzuschlagen. Er nahm das Amt an. Sein Stellvertreter wurde Brandmeister Theo Mertens. Bei der Jahreshauptversammlung im März 1963 verzeichnete die Wehr 16 Neuzugänge. 
Am 14.3.1964 erfolgte im Viktoriasaal in Jülich die Übergabe eines neuen Feuerwehrfahrzeuges an die Stadt Linnich. Es handelt sich um einen Schlauchkraftwagen ( SKW ) mit einer Bestückung von 1000 Meter B-Schlauch und einer eingeschobenen Tragkraftspritze.

Zum Jahresbeginn 1966 wurde das inzwischen 23 Jahre alte Mercedes LF 8 ausgemustert. Am 5.4.1966 konnte der Wehr ein modernes Löschgruppenfahrzeug LF 16 übergeben werden.Zum neuen Kreisbrandmeister wurde am 18.3.1968 Hauptbrandmeister Ernst Wiedorn aus Linnich gewählt. So stellte die Linnicher Wehr zum zweiten Male einen Kreisbrandmeister aus ihren Reihen. 1968 konnten 2 neue Pressluftatmer angeschafft werden. Für den scheidenden Wehrführer Andreas Heck übernahm Brandmeister Theo Mertens die Leitung der Feuerwehr.

Durch den Zusammenschluß aller Gemeinden des Amtes Linnich zur Stadt Linnich, am 11.7.1969, wurden auch alle Amtsfeuerwehren zur freiwilligen Feuerwehr Stadt Linnich zusammengefaßt. Brandmeister Theo Mertens wurde zum kommissarischen Leiter der Gesammtfeuerwehr und zu seinem Vertreter Brandmeister Esser aus Körrenzig gewählt. Nach der erfolgreichen Teilnahme an einem speziellen Lehrgang an der Landesfeuerwehrschule in Münster wurde Theo Mertens 1970 zum Hauptbrandmeister befördert und übernahm die offizielle Leitung der gesammten Feuerwehr Linnich. Ein neues LF 8 wurde 1974 angeschafft, das alte LF 8, Typ Opel Blitz wurde wegen techn. Mängel ausgemustert.

Die Gründung der ersten Jungfeuerwehr erfolgte 1974. Dadurch wurde der Grundstein zur erfolgreichen Heranbildung des Feuerwehrnachwuchses gelegt.

Im Jahre 1978 erhielt die Linnicher Wehr ein neues Tanklöschfahrzeug TLF 16/25. Der Schlauchkraftwagen SKW wurde an die Feuerwehr Ederen abgegeben. Mit dem Ford Transit, Tragkraftspritzenfahrzeug der Löschgruppe Ederen, motorisierte man erstmals in ihrer Geschichte die Löschgruppe Glimbach.
Ende August 1979 erhielt die Löschgruppe Tetz das bis dahin in Linnich stationierte LF 16. Das Tragkraftspritzenfahrzeug TSF der Löschgruppe Tetz erhielt ein neues Zuhause in der Löschgruppe Kofferen.
Nach dem Verlust des LF-16 ( 9 Mann Besatzung ) stand der Löschzug Linnich vor der Frage: " Wie bekommen wir unsere Leute zum Einsatzort?" Ein in Düsseldorf ersteigerter ehemaliger VW-Bus der Polizei war die Lösung. Das Fahrzeug wurde in Eigenleistung umgebaut, lackiert und versah von 1979 bis 1990 seinen Dienst als Mannschaftstransportwagen (MTW).

Tief in die Tasche griff die Stadt Linnich, als sie 1981 einen Rüstwagen RW 2 anschaffte. Dieses "Feuerwehrauto", versehen mit Seilwinde, Elektrogenerator und einer Vielzahl spezieller Werkzeuge und Hilfsmittel, verschlang immerhin 365000 DM. Dabei handelte es sich um ein besonders für Einsätze zur technischen Hilfeleistung ausgerüstetes Fahrzeug.

Nach jahrelangem Gerangel um Standort und Ausführung eines Gerätehausneubaus fiel im Stadtrat endlich am 11.11.1982 die Entscheidung, eine Feuerwache mit 5 Unterstellplätzen und Nebenräumen am Bendenweg (den heutigen Standort) zu bauen.
Der letzte "Tag der offenen Tür" im alten Gerätehaus an der Ostpromenade lockte am 3. und 4. September 1983 zahlreiche Besucher an.
Am 5. November 1983 erfolgte der erste Spatenstich auf dem Baustellengelände am Bendenweg. Richtfest des neuen Gerätehauses war am 24. August 1984.
4. Mai 1985. Einweihung des neuen Gerätehauses. Nach einer Kranzniederlegung auf dem Friedhof marschierten die Kameraden des 1. Zuges, angeführt durch den Musikverein Linnich und der Honoratioren aus Rat, Verwaltung und Feuerwehrführung, mit ihren Fahrzeugen von der Ostpromenade durch die Stadt zum neuen Domizil. Während eines feierlichen Festaktes in der Fahrzeughalle überreichte Stadtdirektor Üebber einen symbolischen Schlüssel an Stadtbrandmeister Theo Mertens, der ihn an Zugführer Franz-Josef Wolf weitergab. Nach der offiziellen Übergabe durch die Stadt Linnich öffneten sich die Türen des Hauses allen interessierten Bürgern.

Alle jemals durch unsere Feuerwehr eingesetzten Fahrzeuge, präsentierten sich auf dem Vorplatz.
Eine riesige Fahrzeugschau bot sich am Sonntag, dem 5. Mai, auf dem Gelände um das Feuerwehrhaus, den Interessenten. Etwa 40 verschiedene Löschfahrzeuge und -geräte waren versammelt, darunter alleine 4 verschiedene Drehleitern. Von der alten Handpumpe bis zum Flugplatzlöschfahrzeug, vom Motorboot bis zum Rettungshubschrauber, gaben sich historische Geräte und ihre modernen Nachfolger ein Stelldichein. Auch das THW und der Malteser Hilfsdienst waren mit von der Partie. 60 Feuerwehren aus 3 Ländern waren mit ca. 700 Kameraden im blauen Rock zu Gast.